Market Outlook

"Fed listens" 2019

Weitere Anstiege sind unwahrscheinlich

John Bellows, Ph.D.
19. März 2019
Es ist unwahrscheinlich, dass die bevorstehende Reihe der öffentlichen Veranstaltungen „Fed Listens“ („Die Notenbank hört zu“) zu signifikanten Änderungen der Politik führen wird. Wir bezweifeln zudem, dass der anstehende Wechsel bezüglich der Inflationsstrategie der US-Notenbank erhebliche Auswirkungen auf die Inflationserwartungen haben wird, außer dass Anstiege der Sätze im Jahr 2019 noch unwahrscheinlicher werden.

Kurzfassung

Die US-Notenbank ist im Begriff, ihre politische Strategie, Instrumente und Kommunikationspraktiken zu überprüfen. Diese Bemühungen umfassen eine PR-Maßnahme in Form einer Reihe öffentlicher Veranstaltungen mit dem Titel „Fed Listens“, die unserer Auffassung nach wahrscheinlich keine großen Änderungen bewirken werden. Wir erwarten einen Wechsel bezüglich der Inflationsstrategie der US-Notenbank, sodass in Wachstumsphasen eine höhere Inflation zugelassen wird, aber wir bezweifeln, dass dies erhebliche Auswirkungen auf die Inflationserwartungen haben wird. Wir denken, dass dieser Ansatz weitere Anstiege der Sätze im Jahr 2019 noch unwahrscheinlicher macht.

 

Wichtigste Kernaussagen

  • Die US-Notenbank führt eine Überprüfung ihrer geldpolitischen Strategie, Instrumente und Kommunikationspraktiken durch. Das Ergebnis wird wahrscheinlich keine Überraschung sein, da die Überprüfung wohl eher eine PR-Maßnahme als ein ernsthaftes Umdenken darstellt.
  • Die US-Notenbank wird wahrscheinlich eine Strategie verfolgen, die auf eine durchschnittliche Inflation abzielt, wofür sie in den Wachstumsphasen eine leicht erhöhte Inflation anstreben muss. Wir betrachten dies als einen kleinen Schritt und nicht als großen Sprung weg von der aktuellen Strategie der US-Notenbank.
  • Die US-Notenbank ist besorgt wegen der niedrigen Inflationsaussichten. Im Laufe der vergangenen Jahre hat die US-Notenbank ihr Inflationsziel untergeordnet und damit ihre Glaubwürdigkeit hinsichtlich der Inflation untergraben. Die US-Notenbank versucht nunmehr, ein Problem zu lösen, das sie ursprünglich selbst geschaffen hat.
  • Die neue Strategie allein wird wahrscheinlich nicht ausreichen, um die Inflationserwartungen zu ändern. Um die Inflationserwartungen zu erhöhen, muss die US-Notenbank konkrete Maßnahmen ergreifen, und außerdem muss die realisierte Inflation ebenfalls steigen.
  • Die primäre Wirkung auf den Markt besteht darin, dass die neue Strategie der US-Notenbank weitere Anstiege der Sätze in diesem Jahr noch unwahrscheinlicher macht.

Hintergrund: The Fed’s Listening Tour (Die „Zuhörtour“ der US-Notenbank)

Dieses Jahr führt die Federal Reserve (US-Notenbank) eine Überprüfung ihrer geldpolitischen Strategie, Instrumente und Kommunikationspraktiken durch. Die Überprüfung umfasst die landesweite Veranstaltungsreihe „Fed Listens“, die eine willkommene Abwechslung von der üblichen schweren Kost der US-Notenbank in Form von trockenen Reden zu sein verspricht. Allerdings ist es unwahrscheinlich, dass die Ergebnisse Überraschungen bringen werden. Das Ziel der Durchführung dieser öffentlichen Überprüfung besteht in der Schaffung von Bewusstsein, um eine Stärkung der institutionellen Stellung der US-Notenbank zu erreichen. Eine umstrittene öffentliche Diskussion oder das Ziehen einer unvorhergesehenen Schlussfolgerung würde die Gefahr bergen, das Bild einer unberechenbaren Institution abzugeben und nicht das einer Institution, die stabil und zuverlässig ist. Deshalb erwarten wir, dass diese Überprüfung nüchterner ausfällt, als es ansonsten der Fall sein könnte, und dass die Ergebnisse vorhersehbar sind.

Die bei diesen Veranstaltungen aufgeworfenen Fragen lassen auch vermuten, dass die Überprüfung alles andere als wegweisend sein wird. Die US-Notenbank wird beispielsweise die Frage erörtern, ob ihre derzeitigen geldpolitischen Instrumente angemessen sind. Wenn man die Kommunikation der Zentralbank in der letzten Zeit verfolgt hat, kennt man bereits die Antwort: „Ja, wir verfügen über angemessene Instrumente.“ In gewisser Weise muss die US-Notenbank das sagen. Auch nur die Andeutung von etwas anderem wäre untypisch riskant. In ähnlicher Weise würde es keine große Überraschung darstellen, wenn die US-Notenbank auch zu dem Schluss kommt, dass ihre Kommunikationspolitik in der derzeitigen Form effektiv ist. 

Es gibt allerdings eine Frage, die möglicherweise interessanter ist. Die US-Notenbank wird wahrscheinlich ihre Strategie bezüglich der Inflation ändern. Sie zieht insbesondere in Erwägung, eine „Aufholstrategie“ anzuwenden, bei der die Entscheidungsträger in gewissen Zeiträumen eine Inflation über 2 % anstreben würden, um die Zeiträume auszugleichen, in denen sie unter 2 % fällt. Um weiterhin Überraschungen zu vermeiden, haben mehrere Beamte der US-Notenbank kürzlich eine Präferenz für eine solche Strategie signalisiert. Es sind noch einige Details zu klären, aber die Bewegung in diese Richtung ist eindeutig.

Der verbleibende Teil dieses Kommentars ist folgendermaßen gestaltet. Erstens werden wir die Details der wahrscheinlichen Aufholstrategie betrachten. Zweitens werden wir erörtern, warum dies jetzt in Betracht gezogen wird, da es bei weitem keine neue Idee ist. Drittens werden wir die Chancen dafür bewerten, dass die US-Notenbank erfolgreich einen Anstieg der Inflationserwartungen erreichen wird. Und schließlich werden wir uns mit den Auswirkungen auf den Markt befassen. 

Auch auf die Gefahr hin, die Pointe kaputt zu machen, muss man sagen, dass ein Prozess, dessen Ziel in der Beschränkung von Überraschungen besteht, wahrscheinlich keine großen Auswirkungen hinsichtlich der Inflationserwartungen auf den Markt haben wird. Die primäre investitionsbezogene Wirkung besteht darin, dass die neue Strategie der US-Notenbank weitere Anstiege der Sätze in diesem Jahr noch unwahrscheinlicher macht.

…ein Prozess, dessen Ziel in der Beschränkung von Überraschungen besteht, wird hinsichtlich der Inflationserwartungen wahrscheinlich keine großen Auswirkungen auf den Markt haben.

Durchschnittliches Inflationsziel

Die US-Notenbank wird wahrscheinlich ein durchschnittliches Inflationsziel (Average Inflation Targeting, AIT) als ihre bevorzugte Aufholstrategie anwenden. Durch AIT wird ein ausdrückliches Inflationsziel von durchschnittlich 2 % für einen Marktzyklus festgelegt. Die AIT-Strategie ähnelt in gewisser Weise dem derzeitigen Ziel der US-Notenbank eines „symmetrischen“ Inflationsziels, welches besagt, dass die US-Notenbank eine Inflation anstrebt, die auf beiden Seiten des Ziels von 2 % gleich groß ist. Die AIT-Strategie bringt die Logik einen Schritt weiter, indem sie aber die US-Notenbank zwingt, in den Wachstumsphasen eine Inflation oberhalb des Ziels anzustreben. Dies stellt einen geringfügigen, aber wichtigen Wechsel dar. Die US-Notenbank gibt heute an, dass sie in den Wachstumsphasen eine Inflation oberhalb des Ziels tolerieren wird, wohingegen sie im Rahmen einer AIT-Strategie in den Wachstumsphasen eine Inflation oberhalb des Ziels anstreben würde.

In der Praxis wird das Ausmaß des Wechsels bezüglich des Ziels der US-Notenbank wahrscheinlich mäßig sein. Betrachten Sie die folgende Überschlagsrechnung. Wenn wir zugrunde legen, dass eine Rezession alle acht Jahre eintritt, dass während der Rezession das Wachstum 18 Monate lang hinter den Möglichkeiten zurückbleibt und dass die Inflation auf 1 % fällt, während das Wachstum unter den Möglichkeiten liegt, würde eine AIT-Strategie die US-Notenbank zwingen, während der folgenden Wachstumsphase eine Inflation von 2,25 % anzustreben. Dies hängt natürlich von den Annahmen bezüglich Tiefe und Dauer der Rezession ab. Das Fazit ist dessen ungeachtet aber klar: Es würde sich um eine geringe Veränderung handeln. Ein letzter Punkt bezüglich der AIT-Strategie: Das Ziel während der Wachstumsphase basiert nicht auf der tatsächlich realisierten Inflation. Stattdessen handelt es sich einfach um ein höheres Ziel als die US-Notenbank sonst während einer Wachstumsphase hätte. Dieser letzte Punkt stellt den Unterschied zwischen AIT und dem Preisniveau-Ziel (Price Level Targeting, PLT) dar, das die US-Notenbank ebenfalls in Betracht zieht.

Wie bei AIT würde eine PLT-Strategie erfordern, dass die US-Notenbank während der Wachstumsphasen einen Anstieg der Inflation über 2 % hinaus zulässt, um die Rezessionszeiträume auszugleichen, in denen die Inflation wahrscheinlich unter 2 % fällt. Der Hauptunterschied besteht darin, dass das Ziel der US-Notenbank in dem Sinne dynamisch wäre, dass es auf der realisierten Unterschreitung während der vorherigen Abschwungphase basieren würde. Wenn die Wirtschaft beispielsweise einer längerfristigen Rezession ausgesetzt ist, wäre die US-Notenbank gezwungen, während des Zeitraums nach der Rezession aggressiver bei ihrem Versuch vorzugehen, die Inflation anzuheben. Die Anwendung einer PLT-Strategie würde die US-Notenbank daher etwas mehr einschränken als die AIT-Strategie und dies ist der Hauptgrund, warum die PLT-Strategie mit geringerer Wahrscheinlichkeit angewendet wird.

PLT wirft unangenehme Fragen darüber auf, wie das „richtige“ Preisniveau bestimmt wird. Wenn das Preisniveau beispielsweise im Jahr 1995 richtig war, würde PLT erfordern, dass die US-Notenbank nunmehr eine drastisch höhere Inflation anstrebt, um die Unterschreitungen während der vergangenen 20 Jahre auszugleichen. Wenn das Preisniveau 1995 nicht richtig war, warum war es das dann nicht? Ist das derzeitige Preisniveau richtiger? Das ist schwer zu beurteilen. Und ein abschließendes Problem von PLT ist, dass es die US-Notenbank in eine unbequeme Position zwingen kann. Stellen Sie sich beispielsweise vor, dass sich die Inflation für einen Zeitraum von zwei Jahren auf 4 % erhöht. Wäre die US-Notenbank wirklich bereit, die Politik so zu verschärfen, dass die Inflation in den folgenden zwei Jahren auf 0 % fällt? Wohl kaum. Es ist leicht verständlich, warum die US-Notenbank diesen schwierigen Problemen, die PLT mit sich bringt, ausweichen würde.

Die AIT-Strategie würde zweifellos eine Weiterentwicklung der Politik der US-Notenbank darstellen, wenn sie gezwungen wäre, eine Inflation über 2 % während einer Wachstumsphase anzustreben. 
Die AIT-Strategie würde zweifellos eine Weiterentwicklung der Politik der US-Notenbank darstellen, wenn sie gezwungen wäre, eine Inflation über 2 % während einer Wachstumsphase anzustreben. Unserer Meinung nach würde dies einen kleinen Schritt und keinen großen Sprung von der heutigen Position der US-Notenbank aus darstellen. Wir wenden uns in einem späteren Abschnitt wieder der Frage zu, wie die US-Notenbank versuchen würde, die höhere Inflation zu erreichen.

Warum jetzt „aufholen“?

Die Argumente für Aufholstrategien sind nicht neu. Im Gegenteil, die aktuell von den Beamten der US-Notenbank angeführten Argumente sind im Wesentlichen identisch mit denen, die vor zwei Jahren von den Skeptikern der US-Notenbank vorgebracht wurden.[1] Zu verstehen, warum dies jetzt aufkommt, liefert eine nützliche Perspektive. Drei Beobachtungen erläutern, warum die US-Notenbank wahrscheinlich jetzt diese Option verfolgt:

 

  1. Die US-Notenbank hat das Ende des Normalisierungsteils des Zinssatz-Zyklus verkündet. In den vergangenen Jahren gab es eine Spannung zwischen den Zielen der Normalisierungspolitik einerseits und der Förderung der Inflation und der Inflationserwartungen andererseits. Wenn die US-Notenbank das Normalisierungsziel priorisierte, hob sie die Sätze weiterhin ungeachtet der Tatsache an, dass die Inflation hinter dem Ziel zurück blieb. (Bei der Rechtfertigung ihrer Politik stützten sich die Beamten der US-Notenbank stark auf ihre Annahme, dass die Inflation in der Zukunft steigen würde, wodurch die Aufmerksamkeit von der realisierten Inflation abgelenkt wurde.) Nun, da das Normalisierungsziel erreicht wurde, kann sich die US-Notenbank auf opportunistische Weise wieder der Inflation und den Inflationserwartungen zuwenden.

  2. Die derzeit ausbleibende Erholung der Inflation war ein Rückschlag für die US-Notenbank. Für das vergangene Jahr war eine höhere Inflation erwartet worden. Das BIP-Wachstum der USA stieg auf ein Mehrjahreshoch, die Arbeitslosenquote verharrte während des gesamten Jahres unter 4 % und der Lohnzuwachs stieg sogar auf über 3 %. Und die persönlichen Konsumausgaben (Personal Consumption Expenditures, PCE), das von der US-Notenbank bevorzugte Maß für die Kerninflation, blieben trotzdem über das gesamte Jahr hinweg knapp unter 2 % und nahmen in den neuesten Druckausgaben sogar etwas ab. Angesichts dieser Entwicklung sind die Prognosen, dass die Inflation ab jetzt steigen wird, zunehmend unhaltbar, was einen weiteren Grund für die US-Notenbank zur erneuten Fokussierung auf die Inflation darstellt.

  3. Die US-Notenbank würde höhere Inflationserwartungen begrüßen. Die aktuell erwartete Inflation gemäß der Bewertung im TIPS-Markt liegt erheblich unter dem Ziel der US-Notenbank von 2 %. Von diesen niedrigen Niveaus ausgehende steigende Inflationserwartungen hätten aus Sicht der US-Notenbank viele Vorteile. Höhere Inflationserwartungen würden die realisierte Inflation fördern. Angesichts eines bestimmten Niveaus an Nominalzinssätzen führen höhere Inflationserwartungen auch automatisch zu niedrigeren realen Zinssätzen, was besonders hilfreich sein kann, wenn die Sätze zur Untergrenze von Null zurückkehren. Es liegt auf der Hand, warum höhere Inflationserwartungen, oder zumindest höhere als die aktuellen niedrigen Niveaus, ein akzeptables Ergebnis für die US-Notenbank darstellen würden.

    Diese drei Bemerkungen stehen in einer Wechselbeziehung und können prägnanter zusammengefasst werden. In den vergangenen Jahren priorisierte die US-Notenbank die Politiknormalisierung und bestand auf steigende Sätze, obwohl die Inflation unter dem Zielwert lag. Infolgedessen ist die Glaubwürdigkeit der US-Notenbank bezüglich der Inflation nunmehr fragwürdig und die Inflationserwartungen bleiben hinter dem Wert zurück, den die US-Notenbank anstrebt. Nun, da das Normalisierungsziel erreicht wurde, wendet sich die US-Notenbank wieder ihrer Inflationsaufgabe mit dem Ziel zu, die Inflationserwartungen wieder anzustoßen.

Kann die US-Notenbank die Inflationserwartungen steigern?

Der Wunsch der US-Notenbank, die Inflationserwartungen anzutreiben, ist zwar klar, aber ihre Fähigkeit, dies zu erreichen, steht bestenfalls in Frage. Ein Großteil des Problems besteht darin, dass die US-Notenbank ihre eigene Glaubwürdigkeit beschädigt hat, indem sie dem Inflationsziel in den vergangenen Jahren eine untergeordnete Priorität beschieden hat. Taten sagen mehr als Worte – und die Taten der US-Notenbank stellten kontinuierlich ihr Bemühen um eine höhere Inflation in Frage.

 

Taten sagen mehr als Worte – und die Taten der US-Notenbank stellten kontinuierlich ihr Bemühen um eine höhere Inflation in Frage. 

Die US-Notenbank müsste zur Wiederherstellung ihrer Glaubwürdigkeit wahrscheinlich eine konkrete Maßnahme zum Erlangen einer höheren Inflation ergreifen. In der aktuellen Situation stellt die AIT-Politikvorgabe einen direkten Ansatz dar – die US-Notenbank sollte die Zinssätze senken. Die eigenen Prognosen der US-Notenbank für die Kerninflation erreichen dieses und kommendes Jahr und lediglich 2,1 %, bevor sie danach wieder auf 2,0 % sinken. Auch wenn wir zugrunde legen, dass diese Prognosen sich als richtig erweisen werden, ist es eine unausweichliche Tatsache, dass diese Inflationsprognosen unter dem durch AIT vorgegebenen Ziel von 2,25 % liegen. Prognosen einer Inflation unterhalb des Zielwerts gehen normalerweise mit einer Lockerungspolitik einher.

Das Problem besteht darin, dass eine Zinssenkung in der aktuellen Situation mehreren Ausrichtungen der US-Notenbank entgegenlaufen würde. Erstens tendiert die US-Notenbank zu einer stärkeren Fokussierung auf die Arbeitslosigkeitsseite ihres Doppelmandats. Es wäre untypisch für die US-Notenbank, wenn sie angesichts einer Arbeitslosenquote unter 4 % die Sätze senken würde. Zweitens erwartet die US-Notenbank generell einen Inflationsanstieg. Eine einfachere Lösung für das AIT-Problem wäre es, wenn die US-Notenbank einfach ihre Inflationsprognosen anheben würde. Das war in der Tat die Lösung der vergangenen Jahre. Und schließlich ist es nicht ersichtlich, ob die Beamten der US-Notenbank derzeit bereit sind, erhebliche Risiken bezüglich ihrer Politik einzugehen. Sie müssen womöglich bei der nächsten Rezession Risiken eingehen, sodass es wohl besser ist, dass sie ihr politisches und soziales Kapital dafür aufsparen, anstatt jetzt zu versuchen, die Inflation um ein paar Zehntel zu steigern. Diese Ausrichtungen könnten verworfen werden und die US-Notenbank könnte die Sätze senken, was aber ein überraschendes Ergebnis wäre. Schließlich gab es noch Ende Januar weiterhin „mehrere“ Beamte der US-Notenbank, welche die Sätze später in diesem Jahr anheben wollten! 

Auch wenn die US-Notenbank eine konkrete Maßnahme zur Inflationsförderung ergreifen würde, ist es ungewiss, ob dies ausreichen würde, um die Inflationserwartungen zu steigern. In den vergangenen Jahren haben mehrere Zentralbanken versucht, die Inflationserwartungen zu erhöhen. Die Versuche reichten vom hauptsächlich rhetorischen (z. B. die Anwendung eines „symmetrischen“ Inflationsziels durch die US-Notenbank) bis hin zum substanzielleren Ansatz (z. B. die „Bazooka“ der japanischen Zentralbank, die negative Sätze, eine unbegrenzte quantitative Lockerung und eine aggressive vorausschauende Politik umfasste). Die Inflationserwartungen wiesen aber in allen Fällen nach einem kurzfristigen Anstieg infolge der Ankündigung wieder eine fallende Tendenz auf. Der bestimmende Faktor scheint der ausgebliebene Anstieg der realisierten Inflation zu sein.

Die Bewertung bezüglich höherer Inflationserwartungen stellt deshalb eine zweiteilige Prüfung dar. Die US-Notenbank muss bereit sein, die neue Strategie durch konkrete Maßnahmen zur Förderung der Inflation zu untermauern. Des Weiteren muss die US-Notenbank eine Unterbrechung mit höherer realisierter Inflation erlangen. Wenn diese beiden Situationen eintreten, könnten die Inflationserwartungen steigen. Wenn nicht, ist der neuen AIT-Strategie der US-Notenbank wahrscheinlich ein ähnliches enttäuschendes Schicksal beschieden wie den anderen jüngsten Versuchen der Zentralbank, die Inflationserwartungen zu steigern. 

Auswirkungen auf den Markt

Es ist zwar unwahrscheinlich, dass die US-Notenbank die Zinssätze senkt, um die Inflation zu stützen, aber es gibt eine andere Möglichkeit, wie die US-Notenbank einen Ausgleich mit einer neuen AIT-Strategie erzielen könnte. Wenn die Inflation zu einem späteren Zeitpunkt des Jahres ansteigen würde, könnte die US-Notenbank einfach in Wartestellung bleiben und die Inflation über 2 % steigen lassen. Dies würde keine Lockerung im eigentlichen Sinne bedeuten, aber die US-Notenbank würde argumentieren, dass es eine Lockerung im Vergleich zu ihrer vorherigen Ausgangslage darstellt und daher als Maßnahme zum Erreichen einer Inflation von über 2 % zählt. In einem solchen Szenario könnten die Inflationserwartungen mit einem mäßigen Anstieg reagieren.

Aus der Marktperspektive sind die Möglichkeiten bezüglich der Inflationserwartungen nicht so klar. Einerseits sind die Inflationserwartungen derzeit niedrig (was alles in allem eine Ursache der derzeitigen Angst der US-Notenbank ist) und sie könnten zu einem späteren Zeitpunkt des Jahres steigen, wenn das oben beschriebene Szenario eintritt. Andererseits muss die realisierte Inflation wahrscheinlich zuerst steigen, damit die Erwartungen später ebenfalls steigen. Das Warten auf eine höhere realisierte Inflation stellt, wie in den vergangenen Jahren zu beobachten war, womöglich nicht die beste Kapitalnutzung dar.

Anders als bei der Fokussierung auf die Inflationserwartungen, ist eine direktere Folge der neuen AIT-Strategie der US-Notenbank, dass zukünftige Zinsanstiege noch unwahrscheinlicher werden. 

Anders als bei der Fokussierung auf die Inflationserwartungen, ist eine direktere Folge der neuen AIT-Strategie der US-Notenbank, dass zukünftige Zinsanstiege noch unwahrscheinlicher werden. Betrachten Sie die möglichen Szenarien. In dem Szenario, in dem Wachstum und Inflation schwächer werden, würde die US-Notenbank sicherlich keine Anhebung durchführen. In dem Szenario, in dem Wachstum und Inflation steigen, gab es womöglich bei den Beamten der US-Notenbank eine Tendenz, mit Erhöhungen zu reagieren, aber die neue AIT-Strategie wird sie zwingen, in Wartestellung zu bleiben und die Inflation ohne entsprechendes Handeln über 2 % steigen zu lassen.

Es wäre wesentlich klarer gewesen, wenn die US-Notenbank einfach direkt verkündet hätte, dass in diesem Jahr keine weiteren Anhebungen zu erwarten sind. Dadurch hätte man die Spannung aus den Veranstaltungen „Fed Listens“ herausgenommen, was schade gewesen wäre, weil diese öffentlichen Veranstaltungen an sich wahrscheinlich ohnehin der eigentliche Sinn der Sache sind.

1 Betrachten Sie die Ähnlichkeiten der folgenden beiden Zitate:

„In Abschwungphasen ist die Inflation bei beschränkter Politik etwas niedrig. In Zeiten eines Wirtschaftsaufschwungs und -booms, wie wir es derzeit erleben, würde man eine Inflation über 2 Prozent erwarten.“ – John Williams, 22. Februar 2019

„Die Erholungsphasen dauern nicht ewig, und wenn eine Rezession kommt, fällt die Inflation … dementsprechend sollte die Politik während eines Booms auf eine mäßige Anhebung der Zielinflation abzielen, vielleicht auf 2,3 oder sogar 2,5 Prozent, wobei zu erwarten ist, dass die Inflation während der nächsten Rezession abnehmen wird.“ – Larry Summers, 14. Juni 2017 (Beachten Sie, dass der US-Leitzins 1 % betrug, als dies verfasst wurde.)

Definitionen:

Die US-Notenbank (Federal Reserve Board) ist für die Formulierung der US-Politik zur Förderung des wirtschaftlichen Wachstums, der Vollbeschäftigung, stabiler Preise und nachhaltiger Strukturen im internationalen Handel und Zahlungsverkehr zuständig.

Die Untergrenze von null (Zero Lower Bound, ZLB) oder Nominale Untergrenze von null (Zero Nominal Lower Bound, ZNLB) ist ein makroökonomisches Problem, das auftritt, wenn der kurzfristige nominale Zinssatz bei oder nahe null liegt, wodurch die Möglichkeiten der Zentralbank zur Ankurbelung des Wirtschaftswachstums begrenzt sind.

Der Preisindex für persönliche Konsumausgaben (Personal Consumption Expenditures, PCE) ist ein Maß für die Preisänderungen bei Konsumgütern und Dienstleistungen. Das Maß umfasst Daten über Gebrauchsgüter, Verbrauchsgüter und Dienstleistungen. Bei dem Index wird der sich ändernde Konsum der Verbraucher aufgrund der Preise berücksichtigt, wohingegen beim Verbraucherpreisindex ein fester Warenkorb mit Gewichtungen verwendet wird, die sich im Laufe der Zeit nicht ändern. Im Kern-PCE sind keine Lebensmittel- und Energiepreise enthalten. 

US-Staatsanleihen mit Inflationsschutz (Treasury Inflation Protected Securities, TIPS) sind Anleihen, die eine fixe, festgesetzte Rendite erzielen, aber durch die Änderungen des CPI-U (nicht-saisonbereinigter städtischer US-Durchschnitt des alle Produkte umfassenden Verbraucherpreisindexes für alle urbanen Verbraucher, der von der Behörde für Arbeitsstatistik (Bureau of Labor Statistics) veröffentlicht wird) auch ihr Kapital steigern. TIPS unterliegen, wie die meisten festverzinslichen Anlagen mit langen Laufzeiten, einem gewissen Preisrisiko.

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